Donnerstag, 5. Oktober 2017

Unsere Liebe Frau



„Unsere Lieben Frauen“ finden wir viele in unserer katholisch geprägten Heimat. Wohin wir uns auch wenden, von Maria Bühel über Laufen bis nach Großgmain, von Arnsdorf über Anthering bis nach Köstendorf, von der Salzburger Franziskanerkirche, der Kirche am Halleiner Dürrnberg bis zum Liebfrauen-Dom in München  - allerorts wird Maria unter der Bezeichnung „Unsere Liebe Frau“ verehrt. Manchmal trägt sie dabei noch eine Ortsangabe wie „Unsere Liebe Frau zu Mülln“ oder eine Aufgabe, für die sie an diesem Platz besonders angerufen wird, wie „Zu Unserer Lieben Frau Geburt“ in Maria Kirchental im Pinzgauer Saalachtal. Doch warum ist das so? 


Die Menschen früher verehrten die Erde als ihre Muttergöttin, als ihre Ahnfrau. An Plätzen und Orten, wo die Erde ihren Segen in Form von Quellen verschenkte, wo sie die Menschen als heiliger Baum oder in einer weiblichen Erscheinung der Landschaft wie einer Höhle oder Grotte verehrten, entstanden natürliche Kultplätze. Die Frauen gingen zur Quelle, wie dem „Kindsbündl“ im Kobernaußerwald, um in einem Ritual die Seele eines Kindes zu empfangen. Über Jahrtausende waren die Menschen eingebettet in die spirituelle Welt ihrer Erdgöttin, deren Mythologie für sie konkret, verständlich und täglich erlebbar war. 


Willendorferin im Herbstkleid

Im Zuge der Christianisierung ging all das auf Maria über. Den alten, heimischen Göttinnen Holle und Percht wurde ein christliches Mäntelchen übergezogen, aus ihrer jahreszeitlichen Symbolik wurde das Kirchenjahr und all das, was ins christliche, sittsam-keusche Weltbild nicht hineinpasste, lebte im Brauchtum mehr oder weniger offenkundig und lustvoll weiter. Auf die alten Kultplätze kamen Kapellen und diesen folgten dann die Wallfahrtskirchen. 


Kirche St. Pankraz, Schlößl - Nußdorf am Haunsberg


Die sogenannte Volksfrömmigkeit blühte auf, denn die Menschen waren nicht bereit, sich von den Kirchenmännern die Verehrung der Erde und des Weiblichen als ihre Große Göttin verbieten und wegnehmen zu lassen. Sie ist es, die Jahr für Jahr im Frühling das neue Leben hervorbringt, die es über den Sommer wachsen und reifen lässt, um das Leben dann im Herbst wieder zurück in ihren Erdenschoss zu nehmen, es dort über den Winter zu hüten und zu nähren, damit es im nächsten Frühling von Neuem zu uns auf die Erde zurückkehren kann um uns Nahrung zu sein.

Die weiße Frühlingsgöttin des neuerwachenden Lebens, die rote Lebens- und Liebesgöttin des Sommers und die schwarze Herbst- und Wintergöttin der Transformation, des Todes und der Wiedergeburt begegnen uns bis heute in den hl. drei Madln Barbara, Katharina und Margarethe. Barbara mit dem Turm, der „ans Licht“, in den Himmel führt, ist die Weiße. Katharina mit dem achtspeichigen Lebensrad ist die Rote, die den Jahreszyklus mit ihrer Fruchtbarkeit und Liebe in Schwung hält. Und Margarethe mit dem Drachen ist die Schwarze. Sie versteht es, die Drachenenergien der Erde zu leiten und lenken, sie zu bändigen und wieder ins Fließen zu bringen. 


Drei Bethen in der Nikolauskirche von Klerant, Südtirol

Die Saligen und Wildfrauen, von denen uns die heimischen Sagen erzählen, sie waren die Priesterinnen und Heilerinnen, die Schamaninnen und Hebammen im Dienste der Erde. Im Zuge der Christianisierung wurden sie als Hexen und Truden dämonisiert und verfolgt. Doch ihre alten Kultorte, die sind geblieben, sichtbar und spürbar. So wie die „Frauengruam“ in der Nähe des Geolehrpfads in Schlößl, am Westhang des Haunsberges. Da, wo von Weitem sichtbar die Kirche St. Pankraz bis hinaus in den bayrischen Rupertiwinkel grüßt.

Von dort, aus dem an der Salzach gelegenen Tittmoning, kommt Josef Irgmaier mitsamt dreistimmigen Frauenchor, Klavier und Cornelia Beck an der Violine am Freitag, dem 6. Oktober 2017 um 19 Uhr anlässlich des 3jährigen Frauentreff Oichtental-Geburtstages mit seinem Kammeroratorium „Unsere Liebe Frau“ nach St. Pankraz. „Unsere Liebe Frau“ ist eine Liebeserklärung an die Frau, an ihr vielfältiges wie göttliches Wesen, eine Betrachtung und ein Gebet. Die Texte in Bairisch und Deutsch basieren auf dem Hohen Lied der Liebe aus dem Alten Testament und der Sagenwelt des süddeutschen Sprachraums. 


Generalprobe am 3. Oktober 2017 in St. Pankraz





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