Dienstag, 20. März 2018

„The green lie“ und traditionell Salzburger Sexismus


Zu einem Filmabend über das „Greenwashing“ der Konzerne hatte die grüne Wirtschaft Salzburg gestern Abend ins Das Kino geladen. Werner Boote zeigt in seinem neuen Dokumentarfilm gemeinsam mit Kathrin Hartmann, der Expertin für diese Thematik, die grünen Lügen der Konzerne auf. In schockierenden und eindrücklichen Bildern zeigt „the green lie“ auf, wie Mutter Erde für die Profite der mächtigen Männer ausgebeutet und zerstört wird und wie dies vor uns schön geredet wird.

Im Anschluss an den Film lud die grüne Wirtschaft zu einem kleinen Umtrunk mit Gesprächsmöglichkeit. Ich meinte zuerst, meinen Augen nicht zu trauen, doch ich hatte mich nicht getäuscht: auf der Bierflasche des Salzburger Traditionsunternehmens Stiegl blickte ich tief in das Dekolleté einer Frau im Dirndlkleid. 

Angewidert habe ich das Stiegl-Bier-Flascherl abgelehnt und den Initiator der Veranstaltung darauf angesprochen. Doch er sah keinen Handlungsbedarf. Hielt die Flasche mit der busigen Frau in seinen Händen, während er uns die Vorzüge einer Mitgliedschaft bei der grünen Wirtschaft schmackhaft machte. Jener Mann, welcher die Flaschen verteilte, setze all dem dann noch die sexistische Krone auf, indem er meinte, ob „ich nicht auch solche Dirndlkleider tragen würde…“

Im zuvor gezeigten Film „The green lie“ ging es um die Ausbeutung der Erde durch die Konzerne und wie diese durch das „Greenwashing“ schön geredet wird. Was uns dort auf der Kinoleinwand im Großen vor Augen geführt wurde, präsentierte dieses sexistische Stiegl-Bier-Etikett im Kleinen: die Ausbeutung der Frauen als Sexobjekte für die Umsatzsteigerung eines Salzburger Traditionsunternehmens.

Ich hätte mir gewünscht, dass auch die anderen Besucherinnen und Besucher die Bierflaschen mit diesem sexistischen Etikett zurückweisen, doch das war nicht der Fall. Ich hätte mir gewünscht, dass die Verantwortlichen von der grünen Wirtschaft diese Flaschen erst gar nicht angeboten hätten, dass sie selber ein Gespür dafür gehabt hätten, dass so ein Etikett ein No-Go ist. Ich fragte mich, ob das Tun der grünen Frauen hinsichtlich des Aufzeigens von Sexismus in der Werbung im Rahmen der Watchgroup Salzburg in den eigenen, grünen Wirtschaftsreihen überhaupt schon zur Kenntnis genommen wurde und wenn ja, wieviel davon tatsächlich verstanden wurde?

Wir können nur im Kleinen und nur bei uns selber anfangen mit den Veränderungen. Dieses sexistische Bierflascherl zurück zu weisen und zu erkennen, dass dies im Kleinen genau das darstellt, was im Großen im zuvor gezeigten Film gerade angeprangert worden war bezüglich der mächtigen Konzerne und Mutter Erde, wäre ein Zeichen des Verstehens der patriarchalen Zusammenhänge gewesen. Schade, dass diese Chance von den „grünen Wirtschaftsmännern“ nicht erkannt und nicht genützt wurde…







1 Kommentar:

  1. Dein Kommentar und Deine Reaktion ist Klass! Schade, dass man denen so a g'schmackloses Flaschl nicht um die Ohren hauen darf. Diesen Burschen wurde versäumt rechtzeitig zu sagen, dass das nicht geht. Und dass Frauen da mitspielen, als Motiv und als (Mit)Trinkerin, schlägt dem Fass den Boden aus. Das hat das Bier nicht verdient.

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